Heute ist wieder einmal "Welttiertag".
Wie jetzt, nur für diesen einen Tag? Und dann?
Machen wir so weiter wie immer.
Nein, wir möchten Sie heute einmal dazu anregen, explizit über das Leben unserer Hunde nachzudenken.
Warum halten wir uns Hunde?
Früher hat man sich Hunde ins Haus, bzw. in die Höhle geholt, um sich vor wilden Tieren beschützen zu lassen, sie hielten das Umfeld sauber, wärmten ihren Menschen in kalten Nächten und waren treue Helfer bei der Jagd.
Aber wer möchte heutzutage einen Hund haben, der seinen Besitzer beschützt, seltsame Dinge wie tote Mäuse, Vögel oder Exkremente jeder Art verspeist, ganz selbstverständlich ins Bett steigt und seiner Jagdleidenschaft nachgeht?!
Heute werden solche oder ähnliche Anforderungen an den Hund gestellt:
Er soll verträglich mit allen Tieren sein, inkl. Katze, Hase, Maus.... er soll Partner- und Kindersatz sowie untergeordnetes Kinderspielzeug sein, er soll das Sportgerät ersetzen, auf Hundeplätzen mit Gehorsam und Akrobatik glänzen, stundenlang, am besten ganztags alleine Zuhause bleiben können, dabei immer absolut stubenrein sein, er soll "gut hören", überall ohne und wenn, dann mit durchhängender Leine laufen können, Zuhause ausschließlich schlafen, nicht laut sein oder Schmutz verursachen.
Ein Hund ist ein Individuum, welches unvorhersehbare "Betriebsstörungen" aufweisen, entwickeln kann. Er knurrt die Kinder an, wälzt sich im Matsch, jagt Katzen hinterher, pinkelt auf den Perserteppich, klaut den Sonntagsbraten.
Bei derartigen Betriebsstörungen wird die Reparaturwerkstatt der modernen Tierhalter aufgesucht, die Hundeschule. Da macht es auch nichts, wenn ein Trainer, der gerade mal den zweiten Welpen in Folge besitzt, einem unserer Mitglieder erklärt, wie er sein achtköpfiges Rudel zu führen hat. Was der Hundetrainer sagt, wird gemacht, ohne darüber nachzudenken. Gleichzuziehen mit den Tierkliniken, der Doc hat gesagt, dass... und schon wird das so gemacht. Die Werkstatt weiß immer Bescheid, denn was teuer bezahlt wird, muß gut sein, das Gehirn ist ausgeschaltet. Gleichzeitig muß man Mitleid mit den Tierärzten haben, denn die meisten Tierhalter hegen die Erwartung, spätestens beim Verlassen der Praxis ein gut funktionierendes Tier mit nach Hause zu nehmen. Anstrengungen seitens vieler "Tierliebhaber" gleich null.
Ein Hund ist kein Kühlschrank, den man woanders aufstellt, der dort genauso funktioniert wie auf dem alten Platz. Unsere Hunde haben alle eine Vorgeschichte. Ob sie nun aus gutem Hause sind oder aus einem Zwinger, Verschlag oder Keller kommen: Sie durchleben ein Trauma, das Trauma der Veränderung. Werden aus ihrem bisherigen Leben herausgerissen, müssen sich völlig neu orientieren und damit zurecht kommen. Müssen viel lernen, z.B. keine kleinen Hunde zu zerpflücken oder das Sofa anzukauen.
Was diesen Hunden abverlangt wird und wie sie das meistern, ist eine enorme Leistung.
Sie sollten keine Anforderungen an Ihr Tier stellen, Sie sollten sich eher fragen, was können Sie dazu beitragen, dass es ein glückliches Leben führen kann, ein hundegerechtes.

