Regelmässig bekommen wir Post von den neuesten Abenteuern von Fiona, ihre neue Story muß einfach veröffentlicht werden...
Die liebe Sabine schreibt:
"Ostern – ein Fest zum Suchen und Finden – nicht nur von Eiern....
Wissenschaftler forschen nach den unwichtigsten Dingen und investieren dafür viel Zeit und Geld. Wer will schon wissen, warum ein Wurm steinalt wird oder was beim Urknall vor sich ging. Würmer interessieren mich nicht, solange sie mich und meine Hunde in Ruhe lassen. Der Urknall ist schon so lange her – das ist doch Schnee von gestern. Mit den wirklich wichtigen Fragen beschäftigt sich niemand. Es wäre doch interessant zu erfahren, warum Hunde und kleine Kinder immer in der Nacht, an Sonn- oder Feiertagen krank werden. Oder ob zu wenig Schlaf auf Dauer blöd macht. Diese immens interessanten Fragen habe ich in der letzten Woche untersucht und möchte nun meine Sicht der Dinge darlegen. Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass sich Fehler eingeschlichen haben können, eben weil ich ja zu wenig Schlaf bekommen habe und weil das, wie ich aber erst später herausgefunden habe, blöd macht.
Das Osterfest naht und somit ein langes und erholsames Wochenende. Am Mittwoch vor den Eierfeiertagen sitzen wir schon draußen in der Sonne. Gut gelaunt planen wir die Speisenfolge – Spargel ist ein Muss und Himbeertörtchen … Champagner gehört dazu. Seit 4 Tagen ist ein zweiter Hund bei uns im Haus. Fiona ist 10 Monate alt und genau wie unsere Wanda, die nun schon 6 Mal Geburtstag gefeiert hat, ein Scottish Deerhound. Wanda ist „not amused“ und schmollt vor sich hin, doch das ist ja normal, wenn ein Hund so lange Einzelhund war und nur die Gesellschaft von Katz und Mensch hatte, dann ist das ja auch eine enorme Umstellung. Ich bevorzuge und lobe meine Wanda nun besonders, denn sie soll ja merken, dass sie immer noch die Nummer Eins ist. Die ersten zwei Nächte verbringe ich im Halbschlaf und lausche angestrengt den Geräuschen, die die Vierbeiner von sich geben. Fiona fiepst wenn sie mal raus muss – das ist perfekt. Von Dienstag auf Mittwoch schlafe ich schon ganz gut, und merke wie gut das tut. Am Morgen bin ich erfrischt und frohlocke innerlich, weil alles so einfach zu sein scheint. Die Mittwochnacht belehrt mich eines Besseren. Gegen 3 Uhr werde ich wach durch Pfotengetrappel auf dem Parkett und merkwürdige Geräusche, dann folgt ein entsetzlicher Gestank. Ich springe aus dem Bett und sehen Fiona in meinem Arbeitszimmer stehen, neben einem dicken weichen Haufen. Scheinbar hatte ich ihr Fiepsen überhört. Den Hund also erst einmal raus befördern, in den Garten, schnell Unmengen on Küchenrolle holen, die Fenster aufreißen, Duftspray sprühen, einen Eimer und einen Aufnehmer … und bald ist alles – bis auf den Geruch – beseitigt. Bei geöffnetem Fenster schlafen wir weiter. Ich reibe mir Parfum in die Hände, träufle etwas davon aufs Kopfkissen und werde den Geruch doch nicht los. Irgendwann schlafe ich dann doch ein und werde wach von Pfotengetrappel auf dem Parkett, merkwürdigen Geräuschen … genau. Same procedure – nur diesmal bin ich schlauer – weil ja auch ausgeschlafen in den letzten zwei Nächten zuvor – und so hole ich Katzenstreu und kippe sie erst einmal über den stinkenden Durchfall. Erkenntnisse: Durchfallhaufen haben die Tendenz im Laufe der Nacht eine immer dünnere und flüssigere Konsistenz anzunehmen, wobei sie gleichzeitig an Duftintensität gewinnen. – Um halb sechs am Morgen kann ich den Gestank des Durchfalls immer noch nicht besser ertragen als um drei. – Zwei Tage erholsamer Schlaf machen schlau und fit.
Gründonnerstag – und keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil, Fiona verliert Unmengen an wässrigen Durchfällen und so rufe ich bei meiner Tierärztin an, denn - Ostern naht und damit eben ein paar wunderbare Feiertage, an denen nur der tierärztliche Notdienst zu erreichen ist. Mit den richtigen Medikamenten sollte das doch kein Problem sein. Die Ärztin macht meinem Optimismus leider den Garaus. Fiona sei so ausgezehrt und wenn sie am Freitag immer noch Durchfall habe, dann müsse sie in eine Klinik an einen Tropf. Ich solle Huhn und Reis kochen und dazu gibt sie uns noch ein Mittel mit, dass die Resorptionsstörung im Darm beseitigen soll, indem es den Stuhl eindickt und er dann langsamer den Darmtrakt passiert. Soweit die Theorie. Erkenntnis: Hunde halten sich nicht an Theorien. Diese Erkenntnis sollte ich aber erst am nächsten Tag machen.
In der Nacht zum Freitag spaziere ich in der Nacht durch den Garten. Da ich beim Schlafen nur ab und an einmal einnicke, um dann wieder hochzuschrecken, landet in dieser Nacht kein Haufen im Haus. Einmal macht Fiona unbemerkt Pippi … ich finde die große Lache erst am nächsten Morgen und habe das kleine Malheur schnell beseitigt. Es ist eine Vollmondnacht und ich spaziere durch das feuchte, frisch gemähte Gras. Fiona macht Breihäufchen, die so aussehen, wie das Möhrenhuhnreisallerlei mit dem Geliermittel, das sie gefressen hat. Bald werden hier kleine Frösche durchs Gras hüpfen, denke ich, etwas unangenehm berührt, der Teich ist voller Laich. Ich wollte ja noch mehr rausnehmen, aber mein Göttergatte hielt eine derartig rigide Geburtenkontrolle für überflüssig. Er muss ja auch nachts nicht Wetthüpfen mit denen. Erkenntnisse: Alles was reinkommt, muss auch wieder raus. – Man soll die Geburtenkontrolle nicht den Männern überlassen, von wegen da passiert schon nichts.
Den Freitag verbringe ich wieder mit Kochen und Füttern, ich muss ja schließlich genug Input in den dünnen Hund bekommen. Am Nachmittag – nach einigen Breihäufchen und langen Spaziergängen mit Schüppe und Gießkanne, trinken wir Kaffee auf der Terrasse. Wanda liegt drinnen vor dem Esstisch und als ich sie kurz streichle, entdecke ich, dass sie ein nasses Hinterbein hat, das eindeutig nach Urin riecht. Sherlock Holmes und Dr. Watson forschen nach den Ursachen. Aus einem undichten Rohr kommt zumeist kein Pippi und wenn, dann sollte die Decke nass sein. Fiona könnte dort hingepinkelt haben und Wanda hätte sich anschließend dort hinein legen können. Aber ich halte meine Wanda für zu sauber so etwas zu tun. Bleibt also nur noch ein Schluss und die Erkenntnis, meine Wanda ist undicht. An diesem Abend bin ich so ziemlich am Ende mit den Nerven. Ich liege heulend im Bett und will am liebsten einen Urlaub machen, in einem Hotel, ohne Frühstück, nur mit einem Bett, in dem ich schlafe bis die Ferien vorbei sind. Ich habe Angst um meine Hunde und fühle mich schrecklich. In der Freitagnacht ist es verdächtig ruhig. Um vier Uhr ziehe ich Fiona von der Couch – Deerhounds haben ein Couchgen und lassen sich nicht so einfach zum Verlassen dieser ihrer Meinung nach angemessenen Lagestatt vertreiben. Doch ich bin ja der Rudelchef und da ich nun einmal die Idee hatte, dass sie nun und gleich mal ein Breihäufchen oder Pippi machen müsse, solle sie sich gefälligst auch dran halten. Ich warte auf die Ausscheidungen, die da kommen, wieder im hellblauen Morgenmantel, der schon ein lustiges Matschpfotenmuster hat, weil Fiona eben lustig ist, auch nachts. Es kommt aber nichts und so gehen wir nach 15 Minuten wieder hinein. Ich schlafe ein wenig und werde um 5 Uhr von Geräuschen geweckt. Fiona würgt und erbricht Möhrenhühnchenreispampe. Ich laufe mit ihr hinunter und entdecke noch drei ähnliche Breihäufchen. Ich öffne die Tür und sie macht im Garten Wasserhaufen, die mit enormer Geschwindigkeit aus ihr herausschießen. Ich beseitige die Hinterlassenschaften im Haus … und möchte an dieser Stelle einmal ausdrücklich dem Erfinder der Küchenrolle danken. Wieder so eine Ungerechtigkeit, hat diese Frau, oder war es ein Mann? – jemals einen Nobelpreis erhalten? Nein, aber die Typen mit dem Wurm bestimmt. Ich komme wieder zu einigen Erkenntnissen: Zu wenig Schlaf macht empfindlich und schwächt die Nervenkraft. – Nicht jeder Erfinder wird gebührend gewürdigt.
Am Samstag fahre ich auf Anraten einer hundeerfahrenen Freundin zu deren Tierärztin, die löblicherweise ihre Praxis auch an Samstagen geöffnet hat. Ich sammle noch etwas Kotbrei von Fiona ein, der liegt ja noch von der Nacht fein auf dem Rasen und laufe auf dem kurzen Spaziergang hinter meiner Wanda her, von der ich gern eine Urinprobe hätte. Die Suppenkelle im Anschlag verfolge ich sie eiligen Schrittes, und vollkommen unbeeindruckt von irritierten Blicken halte ich zielgenau die Kelle unter meinen Hund, der sie auch brav füllt. Rasch reicht mir mein Göttergatte das gespülte Marmeladenglas und wir füllen gemeinsam die ersehnte Flüssigkeit hinein. Das nenne ich Teamwork. Derart gerüstet betrete ich eine gute halbe Stunde die Praxis, während Mann und Hunde im Auto warten. Ich werde für meine Vorarbeiten gelobt und nehme m Wartezimmer Platz. Schnell sind die Diagnosen gefunden – Fiona hat Giardien, das sind lästige Einzeller, die die bekannten Symptome hervorrufen, Wanda hat eine Blasenentzündung. Versorgt mit Medikamenten fahren wir wieder heim. Ich bin beruhigt und widme mich zuhause erst einmal dem Hausputz. Am Nachmittag trinken wir Champagner auf der Terrasse – und ich kann auch ohne dieses alkoholhaltige Getränk den Gedanken von GöGa nicht mehr so ohne Weiters folgen und vergesse oft was er einige Minuten zuvor gesagt hat … Die halbe Nacht verbringe ich auf dem Sofa neben Fiona – nachdem sie ins Schlafzimmer getippelt war und auf eine der Hundematratzen gepinkelt hat, die andere, auf der Wanda liegt, habe ich mit Plastikplanen unterlegt, da sie ja tröpfelt, aber die plastikunterlegte Matte bleibt natürlich trocken. Direkt neben dem Auslaufmodell liegend, bemerke ich sofort, wenn sie mal muss. Erkenntnisse: Schlafmangel macht blöd, aber es ist kein ganz und gar unangenehmer Zustand. – Auch wer blöd ist, kann dazulernen.
Heute ist Ostersonntag. Alle sind unterwegs und suchen Ostereier im Garten und im Wald. Ich suche Breihäufchen und freue mich, wenn sie langsam eine festere Konsistenz annehmen. Mein Göttergatte hat dafür zwar Verständnis, kann aber meinen Enthusiasmus nicht wirklich teilen. Meine Küche sieht aus wie nach einem Gelage von mindestens 20 Hunnen, dabei sind ja nur 2 Hunde und 2 Zweibeiner zu Gast. Wanda hat auch gebrochen heute, die Medikamente machen ihren Magen sauer. Aber nach einer Scheibe trockenem Weißbrot ist es gleich besser. Beim Frühstück besucht uns eine Meise, die ins Wohnzimmer hüpft. Als sie merkt, dass das komische graue Ding kein Teppich, sonder ein Scottish Deerhound ist – also ob sie die Rasse kennt, ist nicht überliefert, aber es sieht fast so aus – gerät sie in Panik und findet den Ausgang nicht mehr – ich tippe auf männliche Meise. Sie fliegt gegen die Scheiben und wir haben Mühe sie hinaus zu bugsieren, denn unsere Hunde sind dankbar für die Abwechslung und würden gern mitspielen bei „fang die Meise“. Zum Abschied hinterlässt der Vogel noch einen Gruß in Form eines Meisenköttels. Andere mögen sich über so was aufregen, ich finde es geradezu niedlich und lächerlich, angesichts der enormen Ausscheidungen, mit denen ich zu kämpfen gehabt habe. Erkenntnisse: Nicht jeder, der Ostersonntag den Garten durchsucht, forscht nach Eiern. – Manchmal muss man erst eine Meise haben, um die wahren Relationen zu erkennen.
Schöne Ostern noch – und viel Spaß beim Suchen und Finden – von WAS AUCH IMMER."






