Wir haben zwei neue Patenhunde: Kissi und Kate!
Das Pflegefrauchen schreibt:
"Zwei Wichtel zu Weihnachten – oder als dem Alltag einer standhaften Pflegestelle
Das Leben als Pflegestelle ist toll – ich verstehe nicht, warum es nicht mehr Menschen gibt, die sich dieser herausfordernden und erfüllenden Aufgabe stellen. Man kann aktiv helfen, man kann anpacken, man kann etwas verändern – und das mit den eigenen Händen und dem eigenen Sofa. Und es gibt nichts schöneres, als einen glücken Zwuckerl, der das erste mal seit langem (oder das erste mal in seinem Leben?) glücklich seufzt und auf dem Schoss einschläft, der jeden Tag dazulernt und über sich hinauswächst – und einfach strahlt. Wem geht bei so etwas nicht das Herz auf?
Es begab sich, das ich nach einem kurzen Anruf zwei kleine Pfleglinge übernehmen sollte – Kathie 10 und Kissi 14 Jahre, Whippets, die ältere wohl blind. Okay – gleich zwei auf einmal? Und noch ein Blindfisch? Wir das wohl klappt? Wie sich wohl so ein altes, eingeschworenes Paar mit dem eigenen Rudel versteht? Was die eigenen Hunde zu einem blinden Hund sagen werden? Etwas mulmig ist einem ja immer vorher, es ist eine Mischung aus Neugierde, Vorfreude und halt der Unsicherheit, was für Probleme man sich einhandelt. Ich nenne sie immer kleine Wundertüten – man weiss nie so genau, was man bekommt.
Auch diesmal wurde ich in alle Richtungen überrascht – die beiden Zwuckel – Whippets wohlgemerkt- hatten eher moderate Windspielgröße. Putzig! Und – sie sind auch recht rudeltauglich, selbst meine Zicken haben sie sofort mit aufgenommen und sind selbst mit dem staksigen Gang und dem immer-mal-wieder-andötschen vom Blindfisch von Anfang an klar gekommen. Wow, das mich meine Mädels nochmal so überraschen – das hätte ich nicht erwartet! Es war auch sofort klar, das man mit der jüngeren durchaus noch Spass haben kann, auf das ältere Modell jedoch Rücksicht genommen werden muss, sei es nun mit Platz im Bett, mit unklarer Körpersprache, viel Schlafbedürfnis, zwischendurch Unruhephasen und doch immer wieder lustigen Episoden.
Das erste Gassi war zwar für uns alle eine Herausforderung, denn das Thema „Blinder Hund“ war uns allen neu, aber nachdem Kissi mit einer so großen Souveränität tapfer mit allen mithielt und hinter uns herstapfte, verflogen auch hier schnell alle Zweifel. Wer dann auch noch – trotz Blindheit!- auf dem weichen Waldboden rumflitzen will mit den jungen Wilden – der ist zwar alt und krank, aber im Kopf noch immer nicht erwachsen ;-) Dank einem Katzenhalsband mit Glöckchen, das ich neuerdings an den Gassischuhen habe, findet mich Kiss mittlerweile überall wieder.
Es lief alles erstaunlich problemlos, nach anderthalb Tagen hatten wir den ersten Einstandsbesuch bei unserem Tierarzt, die meinigen Whippsen mussten natürlich mit. Im Wartezimmer wurde ich gefragt, wie ich es denn schaffe, das sich meine Hunde sooo toll zusammen vertragen würden, wie lange ich dafür gebraucht hätte? *Ähm* Anderthalb Tage… Und getan habe ich eigentlich nix. Es sind einfach alles ganz ganz tolle Hunde.
Kissi und Kathe verfolgten mich von Anfang an auf Schritt und Tritt, Kathie sang die ersten Tage lautstark im Auto – und wenn wir wieder vor unserer Garage standen merke man richtig, dass sie erleichtert war, wieder hier und nirgendwo anders zu sein. Auch Kissi erstellte sich in mühsamer Kleinarbeit einen exakten Lageplan unserer Wohnräume. Nach wenigen Tagen konnte man schon – Schulter an Schulter mit einem Begleithund- im Schweinsgalopp über den Flur rennen und den ein oder anderen Mitbewohner über den Haufen rennen ;-) Kathie durfte recht schnell mit dem Rest meiner Bande draussen frei toben, mir wich ja eh keiner von beiden so wirklich vom Knöchel. Unser größtes Problem bei tollen Bildern ist und war, dass ich die Gänsemama bin – da wo ich hingehe verfolgt man mich auf Schritt und Tritt. Genügend Abstand für tolle Bilder? Fehlanzeige!
Für Kiss und Kathe gab es keine ernsthaften Anfragen – was mir ehrlich gesagt nicht unlieb war, denn erstens waren die Mäuse ja weder medizinisch fertig durchgecheckt, noch war Kissi in einem guten Zustand – und wie ich immer betonte, sie sassen ja hier jetzt mit dem Fellpopo im Warmen, es ist ja alles nicht dringend. Die müssen sich erstmal einleben, bevor man da genauere Prognosen für die Vermittlung abgeben kann.
Kiss hatte mittlerweile das geschafft, was meine ganze Bande seit Jahren erfolglos versuchte, sie hatte mein Kopfkissen in Beschlag genommen und konnte so unschuldig grinsend darauf schnarchen, das man den alten kleinen Klapperkobold ja auch nicht mehr wecken konnte. Wenn die kleine Oma so schön schläft, dann braucht sie das wohl. So ist das als Pflegestelle, was man vielleicht noch bei den eigenen Monstern durchgesetzt bekommt – das schafft man noch lange nicht bei so armen, kaputten Wesen mit großen, traurigen Augen.
Mittlerweile zog sich die medizinische Diagnostik weiter hin, der Augen-Tierarzt bestätigte das Kiss blind ist und die Augen leider vollkommen hinüber, vier mal täglich Augentropfen damit sie zumindest keine Schmerzen hat und einen Optivizor damit sie draussen nicht überall anditscht. Dazu eine relativ frische, riesige OP-Narbe am Knie, ein bisschen alter Schlaganfall da – hat so die normalen und erweiterten Alters-Wehwehchen. Kathie hat auch die Augen kaputt, wird auch blind werden, hat auch die Knie kaputt, braucht jetzt an sonnigen Tagen auch Augentropfen und „Sonnenbrille“… Langsam ahnte ich, das die Vermittlung nicht einfach wird. Und die Mäusis werden ja auch nicht jünger oder schöner… vor allem, wo sollte man sie hin vermitteln? „Darf“ man so ein altes Päärchen einfach auseinanderreissen, nur weil sie nicht mehr 24 Stunden am Tag im Selben Körbchen liegen? Sollte man das? Kathie braucht was zum flitzen und toben und langweilt sich mit Kissi allein tödlich, Kissi braucht mindestens einen anderen Hund an dem sie sich orientieren kann, beide lagen von Anfang an inmitten meiner Meute… Gibt es so einen Platz überhaupt, wo man zwei alte, blinde Hunde nimmt, die dann auch noch ein passendes Rudel haben, die medizinisch mit den beiden klar kommen, die sich der Verantwortung bewusst sind, dass alte Hunde anstrengend werden können, inkontinent, dement, Pflege benötigen? Und dass so ein Abschied nie leicht wird? Wo man das richtige Maß findet zwischen sinnvoller Lebensunterstützung und gehen lassen bevor das Leben unwürdig wird?
Ich hatte ernsthafte Zweifel – und mit jedem Tag schlichen sich die kleine Querulantin und der kleine Klapperkobold tiefer in unsere Herzen. Das Rudel wirkte von Anfang an, als wären die Mäuse schon immer zusammen gewesen…. Sollte man sowas wieder trennen? Wie viel Zeit hat Kissi noch, ist da ein Umzug überhaupt noch zumutbar? Vor allem, wo hier doch –wider erwarten- alles nahezu perfekt funktioniert? Was ist im Sinne des Hundes? Und mit jedem glücklichen Seufzer vom Kissikind, wenn sie total erledigt auf meinem Kopfkissen einschläft, mit jeder Trippelpfote auf dem Flur, die nachfragt, ob ich nicht langsam aus dem Büro kommen und Feierabend machen möchte… Mit jedem Mal wurde mir klarer, dass ich zwar eigentlich im Leben keine sechs Hunde haben wollte, dass mir das grad lebenstechnisch eigentlich weniger als Null in den Plan passt, dass es doch noch mehr Arbeit, noch mehr Schlammpfoten und sicher auch sorgenvolle und schlaflose Nächte bringen wird – aber dass die beiden Microwhippsies eigentlich schon an Tag eins entschieden hatten, das sie hier ihre Koffer auspacken und nie wieder einpacken werden.
So spielt das Leben – man bekommt nie das was man will sondern das was man braucht, und ich habe nun die Verantwortung „bis zum bitteren Ende“ für Kissi und Kathe angenommen. Auch das gehört zur Verantwortung einer Pflegestelle – man handelt im Sinne des Tieres. Und – ich muss ganz ehrlich sagen- auch in meinem Sinne, denn egal wie wenig 6 Hunde geplant waren, die beiden Motten kann ich eh nicht mehr hergeben. Es sei denn, es findet sich der 200%ige Platz – da bin ich zu Gesprächen bereit, denn wenn ich eins nicht möchte – dann ist es, ihrem Glück im Wege stehen. Nur aktuell schaut ihr Plan von Glück ziemlich exakt wie meine Wohnung aus… ;-)"
Liebe Bine, einfach klasse!
Glasklar gehen die zwei nirgendwo mehr hin und wenn sich der Kaiser von China meldet;-)))))
Wir hoffen, ein paar Paten zu finden - wäre doch eine schöne Idee, zu Weihnachten Pate für die zwei ollen Schätzle zu werden?!
