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01.06.2011

"Ja, wo laufen sie denn?"
Zur Abwechslung mal wieder eine schöne Geschichte von Sabine, Futterspender unserer Fiona;-)

"Hallo,
wir kommen grad von der Rennbahn in Köln zurück. Wanda wurde dort, wie schon häufiger, von Frau Dr. Matern behandelt. Bei der Gelegenheit nahmen wir Fiona direkt mit, denn es war ja Rennbahntraining angesagt.

Wandas Behandlung verlief gewohnt ruhig und routiniert. Osteopathie und anschließend Akupunktur … hier ein Wirbelchen verschieben und da ein Nädelchen setzen, Wanda ist ja auch schon Profipatientin. Draußen begannen währenddessen die Trainingsläufe. Finchen fand das Drumherum spannend, aber wohl auch beängstigend. Einige Hunde drehten schon vor dem Rennen voll auf, hingen in den Leinen und drohten ihre Besitzer zu Fall zu bringen, welche die hüpfenden, bellenden, jodelnden Renngesellen an den Leinen zu halten versuchten. Wir waren für den dritten Lauf eingeteilt, eineinhalb Runden sollte Finchen den künstlichen Hasen verfolgen. Ich war mir ziemlich sicher, dass sie alle anderen Hunde dort in den Schatten stellen würde. Sie jagt ja bei unseren Spaziergängen alles, was sich schneller bewegt als eine Schnecke. Darum ist sie oft an der Leine. Es ist nicht witzig, wenn der Oberförster im Suzuki Jimmy von einem großen grauen Hund gejagt wird. Auch nicht schön ist die Verfolgung eines Mountainbikers, der bergab ohne zu bremsen ins Tal stürzt, aber dann doch gebremst wird von Fiona, die ihn locker überholt und ihm den Weg abschneidet. Das führt beim Frauchen zu ungesunden Adrenalinschüben, die sich durch die einfache Anwendung der Lederleine verhindern lassen. Bestimmt würde sie ungeheuer viel Spaß haben beim Rennen. Ich hatte nur Sorge, dass ich sie gar nicht einfangen könnte, weil ich befürchtete, sie würde der Hasenzugmaschine noch nachrennen, wenn der künstliche Hase schon abgefallen wäre. Mein GöGa war zur Verstärkung mitgekommen und machte von den anderen Rennen Fotos. Wir überlegten noch, wie wir es anstellen könnten, den ersten Trainingslauf von Fiona auch zu dokumentieren. Johannes würde Fiona starten und ich sollte an der weiter entfernten Stelle parat stehen, um das rennende Tierchen einzufangen. So weit der Plan. Da würde es fast unmöglich sein, Fotos zu machen. Wir begannen also langsam mit den Vorbereitungen. Als noch drei Läufe vor uns waren, sollte Fiona warm gemacht werden. Wanda war müde und so brachte ich sie ins Auto. Der Wagen stand im Halbschatten, aber es war doch arg warm. Ich packte den grauen müden Esel mühsam auf den Rücksitz. Dann öffnete ich die Fenster einen guten Spalt breit und die Heckklappe öffnete ich komplett. Den Heckraum trennt ja ein Gitter von der Rücksitzbank, so dass zwar die heiße Luft, aber nicht der Hund entweichen kann. Wanda ist ein absoluter Mamahund und so war es fast unvermeidbar, dass sie auf meinen Fahrersitz krabbelte und verzweifelt versuchte, durch das Fenster zu entweichen. Der große Kopf steckte fest und die Scheibe wackelte bedenklich. Gleich eilte ich zu ihr und befreite sie aus der misslichen Lage. „Lauf 3 beginnt jetzt … am Start …“, tönte es auch dem Lautsprecher. Hurtig kurbelte ich die Scheiben ein Stück hoch, gerade so viel, dass nur doch die Nase meines Mamahundes hindurchpasste. Nun musste ich das arme einsame Tier zurücklassen und hoffte inständig, dass sie nicht die Hupe drücken oder die Scheibe eintreten würde. Gewiss gäbe es dann einen Tumult und eine weitere Durchsage aus dem Lautsprecher, die man wie immer nur zur Hälfte verstehen würde. „…Ist ein großer grauer Hund … möchte gern aus dem Startkastenbereich abgeholt werden.“ Aber die Scheiben würden bestimmt halten, ich musste mich nun um Wichtigeres kümmern. Johannes schnappte sich das Finchen und ging zum Startkasten. Natürlich durfte er einen Handstart machen, das ist bei Deerhounds durchaus erlaubt, die mussten nicht unbedingt in die engen Boxen. Ich trabte in Richtung Einfangbereich und positionierte mich dort gespannt. Dabei stellte ich fest, dass ich keine Leine dabei hatte. Anfängerfehler. Dann wurden wir auch schon angesagt: „Familie Nölke … ein Deerhound … zum ersten Mal auf der Rennbahn. Draußen rennt sie wie ein Teufel, sehen wir mal, was sie hier macht.“ Es gab einige Zuschauer und die reckten alle die Hälse, einen Deerhound sah man nur selten auf der Rennbahn. Einige zückten sogar ihre Kamera und warteten gespannt. Und schon ging es los. Aber was war das? Der Hase preschte an Fiona vorbei und was machte sie? Sie sank in sich zusammen und kroch in Richtung Ausgang zurück. Neben mir stand ein Afghanenbesitzer, der sich nach Fionas Trieb erkundigte. Seine Worte waren wohl: „Hat die keinen Trieb?“ Also man kann Fiona einiges vorwerfen, aber einen fehlenden Jagdtrieb nun wirklich nicht. Der Experte reit mir dann noch, den Hund mal am Schluss laufen zu lassen, wenn alle weg seien, dann ohne Motor, nur den Hasen am Fahrrad zum Beispiel. Aber ich hatte dazu so gar keine Lust. Hätten die da ein paar Mountainbiker auf die Bahn gebracht oder einen Porsche, wer weiß? Vielleicht hätte es dann geklappt? Niemals hätte ich gedacht, dass diese begnadete Jägerin sich so verhalten würde. Der Trieb dem Motorengeräusch und dem Lappen zu folgen müssten doch immens gewesen sein. Ob es in Zukunft reichen würde, ihr, wenn sie mal wieder Mountainbiker oder Autos sichtete, einen Tag Rennbahntraining anzudrohen? Wahrscheinlich nicht, bestimmt neigt der Hund wie der Mensch zum Vergessen.

Begeistert waren beide Grauen bei der Familienzusammenführung. Wanda sortierte sich hechelnd auf den Rücksitz, Finchen wurde in den Heckraum gehoben und dann ging es gen Heimat. Eine sich anbahnende Rennhundkarriere ist seit dem heutigen Tag nicht wahrscheinlich. Aber es gibt Schlimmeres.

Nun schlafen beide fest nach diesem anstrengenden Tag. Fiona zittert und knurrt im Traum, bestimmt zeigt sie es denen, die sie ausgelacht haben nun gerade ordentlich. Wenn sie wach ist, niest sie immerzu, es war wohl einfach zu viel Rennbahnfieber in der Luft. Eigentlich bin ich froh, dass es nicht funktioniert hat. So muss ich nicht jeden Sonntag im Stau stehen und zu Rennen fahren, weil es meinem Hund dann besser geht. Nein, wir machen ausgiebige Spaziergänge mit Freunden, und bekommen eben weiterhin Adrenalinschübe bei Sichtung von Wild oder irgendeinem anderen sich bewegenden Objekt. Auf diese Weise bleibt der Sonntag unser Familientag und unser Auto im Carport – spart Sprit und Nerven. Letztere werden ja auch dringend bei den Spaziergängen benötigt.

Liebe Grüße

Sabine, GöGa, WandaMamahund und FinchenFeinsliebchen"


glücklich wieder Zuhause auf dem Sofa, links Finchen, rechts Wanda;-)


Tja, vielleicht müßte Tante Emma mitrennen, die alte Rennsemmel würde Finchen sicher zum Laufen bringen!