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06.05.2011

Mitten unter uns

Anfang der Woche bekamen wir einen Anruf einer Podenco-Ibicenco-Züchterin, ob wir ihre fünf Podis für vier Wochen auf Urlaub nehmen. Als wir verneinen, die Antwort: "Dann geben wir sie halt ab."
Wir organisieren Pflegeplätze, machen den Transport klar und möchten Bescheid sagen, Antwort: "Nein, wir können nicht bis morgen warten, wir fahren jetzt los, der Hausschlüssel liegt unter der Fußmatte."

Da wir in der Kürze der Zeit außerstande sind, alle involvierten Helfer einen Tag früher zu aktivieren, fahren Britta und Monika wie geplant am frühen Donnerstagmorgen los.
Sie finden zwei Jungrüden und eine ältere Hündin, die in einer Art Zwinger/Verschlag untergebracht sind, auf die Fenster brennt die Sonne, es ist stickig, keine Futter-, keine Wasserschüssel. Eine andere Hündin rennt im Auslauf herum, panisch, scheu, mit viel Mißtrauen zu den fremden Menschen. Schließlich liegt da noch ein Podencorüde auf dem Kiesboden. Er kann weder den Kopf heben, noch von selbst aufstehen, aber seine Augen die schauen voller Leben unsere Britta an, sie gibt ihm was zu Fressen und Wasser nimmt er ebenfalls dankbar an. Sein Name ist Gomez.
Wir suchen im Netz nach einer Tierklinik in der Nähe, geben Britta die Daten durch. Der Tierarzt will einen Mittelmeercheck machen, nein, der Hund ist aus Deutschland, also dann hat er sicherlich Tumore, so wie er aussieht. Gomez wird geröntgt, keine Tumore, ein fast leerer Darm, nur etwas Dreck und Kieselsteine, er kommt an die Infusion. Gomez ist ist bereits im fortgeschrittenen Stadium einer Dehydratation, er hat eine Exsikkose. Er bringt bei einer Größe von 72 cm 18 Kilo auf die Waage. Das Fett hinter den Augen ist nicht mehr vorhanden, seine Blutwerte sind erschreckend, kaum noch Eiweiß zu finden. Aber seine Augen, wir versuchen es, Britta nimmt ihn wieder mit.

Monika ist es inzwischen gelungen, die scheue Hündin in einen kleineren Auslauf zu locken. Alle Hunde sind total unterernährt. Auch ein ausgehungerter Kater läuft auf dem Grundstück herum. Bis alle verladen sind, dauert es noch gute drei Stunden. Nirgendwo ist Katzen- oder Hundefutter zu finden, leere Schüsseln und Exkremente in den verschiedensten Stadien.

In der Nacht gab es Bodenfrost, Gomez lag auf dem Kies, morgens in der prallen Sonne. Mehrmals am Tag bekommt er kleine Portionen zu Fressen und ab und zu eine Infusion. Alle, inkl. Kater, werden antibiotisch und antiparasitisch behandelt. Der Kater heißt Xaver, ist ein kastrierter Maine-Coon und seit heute Morgen abgeschoren. Außer seiner Unterernährung hat er noch ein völlig vereitertes Ohr und entleert Würmer ohne Ende. Der Doc entfernte 20 Zecken.

Berichte über den Gesundheitszustand sowie Fotos der Hündinnen und der jungen Rüden folgen.

Mitten unter uns
Und niemand hat das gesehen.









Gomez auf der Pflegestelle