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23.05.2010

Post von Sabine, Fionas Frauchen;-)))

"Hallo, liebe Ellen,
mal wieder was zum Mitschmunzeln … grad frisch erlebt.
Liebe Grüße
Sabine

Pfingsten, Peinlichkeiten und andere Wörter mit P...

...Wochenend und Sonnenschein, das lockt natürlich viele ins Freie. Auch meine beiden Deerhounddamen und ich waren verabredet, mit einem imposanten Wolfshund und dessen Frauchen. Einmal in der Woche treffen wir uns zu einem entspannten, manchmal aber auch abenteuerlichen Spaziergang auf dem Lande. Erst wollte ich absagen – es war doch viel zu warm und meine alte Wanda war noch hundemüde vom Vormittagsspaziergang. Gut, dass ich das nicht gemacht habe. Erstens wäre dann diese Geschichte nie entstanden und zweitens hätte ich die wahre Begebenheit, welche dieser Geschichte zugrunde liegt, doch vermisst in der Reihe meiner „Hundespaziergeherlebnisse“.

Da gab es bereits Nudistenwanderer, die unseren Weg kreuzten, nur mit einem Gürtel und Schuhen bekleidet – die uns beim Passieren verzweifelt einen unverfänglichen Blickpunkt suchen ließen, ein aus dem Nest gefallener Jungvogel, den wir mittels Shirt (bekleidet nur noch mit einem BH – und genau in dem Moment kam ein Jogger vorbei) auf eine Waldanhöhe retten mussten und diverse Wildschweinbanden und Mountainbiker-versus-Deerhound-Wettrennen. Da diese nicht Gegenstand der Geschichte sind, ende ich nun mit den Aufzählungen, sie würden ein Buch füllen.

Wir begannen also frohgemut unseren Spaziergang, die Sonne schien und ich freute mich auf ein wenig Entspannung im Freien. Direkt hinter der ersten Wegbiegung – die Gegend ist eigentlich sehr einsam – trafen wir zusammen: Ein Jeep mit Anhänger, der versuchte zu wenden, zwei Kinder, die Angst vor Hunden hatten, eine Frau mit einem kläffenden Hund und wir mittendrin. Geschickt manövrierten wir uns vorbei und mutmaßten noch gut aufgelegt, dass uns nun ja nichts Schlimmes mehr passieren könne. Wie naiv man doch sein kann. Einige Meter und Minuten später, wollten wir, wie immer and dieser Stelle, auf eine eingezäunte Weide ausweichen, da der Wanderweg wegen Baumrodungen nur schwer passierbar ist. Doch die Weide wurde gerade in diesem Moment gemäht. So stapften wir über Baumstümpfe, stolperten über Äste, staksten durch Brennnesseln und blieben mit den Leinen im Stacheldraht hängen. Doch wir schöpften Mut, denn sogleich würden wir wieder ebenere Waldwege erreichen. Gehofft, geschehen, nun würden wir aber nur noch genießen, denn mehr hatte diese Odnis doch nicht zu bieten, oder? Wie man sich doch irren kann. Hinter der übernächsten Kurve sahen wir durch die Bäume etwas schimmern. Mähdrescher? Autos? Eine Jagdgesellschaft? Nun hörten wir auch Geräusche, war das Musik? Nun da Pfingsten nahte, konnte es ja ein Pfingstlager sein, die waren häufig mitten im Wald. Bibelworte zum Pfingstfest drängten sich auf, Apostel Lukas erzählte: … die Jünger Jesu hatten sich am Pfingsttag, dem jüdischen Erntedankfest, in Jerusalem zu einer Gemeinschaft versammelt. Völlig unerwartet erhob sich vom Himmel her ein Brausen wie von einem Sturm herrührend. Es erschienen Feuerzungen, die sich zerteilten und sich auf jeden der Männer niederließen. Die Wirkung war überraschend, denn die Ergriffenen konnten sich plötzlich in vielen Sprachen verständigen.

Ein Brausen hörten wir auch und eine Versammlung betrachteten wir ebenfalls und ergriffen waren wir auch – in einem gewissen Sinne. Nur das mit der Sprache war ganz anders, denn die fehlte uns plötzlich. Beim Näherkommen erkannten wir tatsächlich ein Zeltlager, atmeten Grillgerüche ein und hörten Männerstimmen. Ich versuchte etwas zu erkennen, was wegen der immer noch im Weg stehenden Bäume und meiner Kurzsichtigkeit schwierig war. „Ha, jetzt habe ich doch fast gedacht, die machen da FKK“, lachte ich und versuchte meine Blicke zu schärfen. Ich sah etwas Rosafarbenes mit einer Bierflasche in der Hand. Overalls waren ja nun grad in Mode, vielleicht handelte es sich um eine Jungmännergruppe, die der alternativen Szene angehörte und Bratlinge grillte. Nein, Bratlinge brät man, sonst hießen sie ja Grilllinge. Alternative Szene war aber so verkehrt nicht, denn nun bemerkte auch meine Mitspaziergängerin dank Brille und nun fehlender Bäume, dass es sich um eine Horde junger Männer handelte. Sie standen einige Meter vom Wanderweg entfernt und grillten – wie passend - Fleisch und Würstchen. Ich ermahnte meine Wanda auf dem Weg zu bleiben und war froh, dass ich mich intensiv auf die Hunde konzentrieren musste. Auch meine Begleitung war damit beschäftigt ihren Wolf, dem bereits der Duft des Grillfleisches in die Nase gestiegen war, auf dem rechten Weg zu führen. So viel Fleisch war etwas zuviel für zwei Vegetarierinnen. Inständig hofften wir, dass wir ohne irgendwelche Zwischenfälle und Peinlichkeiten an den - Pfingsten auf ihre spezielle Art zelebrierenden - Männern vorbei kamen. Als ich doch einen Seitenblick auf den Aufbau über einem Zelt wagte, las ich die Aufschrift: „Pimmelpiraten“ – und direkt darunter das passende Symbol. Ich fühlte, wie meine Contenance langsam schwand und ich beinahe losgelacht hätte, denn die Szenerie war zu skurril. Aber noch hatten wir ja alles im Griff. Die pfingstlichen PP waren nun hinter uns und wurden langsam kleiner … wir hatten mit dem Thema bereits abgeschlossen. Wir ließen die Hunde frei und – ich wage es kaum zu schreiben, schließlich hat meine Mitspaziergängerin mir schlimmste Strafen angedroht, wenn ich das ausplaudere … aber es muss raus. Ihr Hund rannte wild entschlossen zu den Pfingstlümmeln zurück, und es war reine Fleischeslust, die ihn trieb. Sein Frauchen erlebte nun einen dieser Momente, die man nicht erleben möchte, und in denen man den Hund zum Mond uns sich in die Versenkung wünscht. Aber sie hatte auch noch gleich zwei Mal Glück. Der Mann, der ihr entgegenlief hatte ein Höschen an und er nahm den Diebstahl von zwei Schnitzeln gelassen und mit Humor.

Der Rückweg wurde noch von einem Treffen mit Pferden bereichert, die meine Fiona bestimmt gern gejagt hätte. Dummerweise standen die Hunde im knietiefen Bach und meine Jägermeisterin konnte nur durch ein beherztes Eingreifen der gummistiefelbewehrten Begleiterin gehalten werden. Die letzten wenigen Meter verliefen tatsächlich ohne Zwischenfälle. Fast waren wir ein wenig enttäuscht, dass keine Straßenbahn durch den Wald gefahren kam oder ein Segelflugzeug neben uns landete. Aber wir wollen mal nicht undankbar sein – so einen erlebnisreichen Spaziergang bekommt man ja nicht alle Tage geboten.

Wir wünschen euch allen ein entspanntes Pfingstfest – mit oder ohne Brauchtümer und Merkwürdigkeiten."

Naja, unsere Wüste ist dagegen eine wirkliche Wüste, hier passiert so gar nichts Außergewöhnliches.