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11.04.2010

Noch "Meer" Bilder aus einem Urlaub. Dieses Mal von Fiona, die mit ihrer Freundin Wanda und Familie auf Ameland weilte und wohl einen Heidenspass hatte;-)
Frauchen Sabine hat eine Bildergeschichte daraus gemacht, viel Spass beim Lesen!

Urlaub auf Ameland 3.4.-10.4.2010
Ostern also … nicht dass wir unbedingt scharf drauf gewesen wären, in den Schulferien zu verreisen. Aber Ostern ist ein bewegliches Fest und mein Geburtsdatum ziemlich unbeweglich. Meinen 50sten Geburtstag wollte ich gern im kleinen Kreis meiner Lieben verbringen, ganz ohne Feier und nur mit meinem GöGa, den beiden Deerhounddamen Wanda und Fiona und einer Flasche Taittinger. Die Gästeliste war also kurz und stand rasch fest. Wenn man einen derart prominenten Geburtstag daheim in aller Ruhe verbringen möchte, dann kann man das vielleicht bei geschlossenen Rollos und absoluter Stille im Haus versuchen. Wenn man Pech hat, bemerken die Nachbarn es doch und da mein GöGa in einem belanglosen Gespräch mit einem Nachbarn, mein Jubelfest so ganz nebenbei erwähnt hatte, stand zu befürchten, dass vor unserem Hauseingang eine goldene 50 mit gekränzten Rosenranken drum herum angebracht werden würde, durch die dann Heerscharen von singenden und feierlaunigen Nachbargäste hereinströmten. Also weg hier, aber schnell und weit. Eine Flugreise? Die würde die Gästeliste, die ja ohnehin schon sehr kurz war, noch um zwei Teilnehmer verkürzen, denn die Scottish Deerhounds in einer Box von mindestens Pferdegröße in ein Flugzeug zu packen – daran würden weder sie noch wir Spaß haben. So blieb uns also nur eine Insel, denn dahin würde uns niemand folgen! Ameland! Wir buchten das wunderbare Ferienhaus Carpe Diem. Durchaus für 8-10 Personen geeignet, mit Schwimmbad, Whirlpool und so nah am Meer, war es genau der angemessene Rahmen für das Fest.



Das Auto war bepackt bis in die letzte Ritze. Das lag nun nicht daran, dass wir viel Bekleidung oder sonstigen Tand dabei hatten. Zwei große Hunde benötigen allein schon aufgrund ihrer Körpergröße erstaunlich viel Platz, dazu noch Liegedecken, Hundebetten, Hundefutter, Handtücher … Mein Göttergatte faltete, schob, zwängte und ächzte, und zum Schuss fädelte er irgendwie sogar noch seine Gitarre mit hinein. In Erwartung einer fröhlichen Feier mit Kaminfeuer, Gitarrenmusik und Schampus fuhren wir also gen Norden. Wanda ist ja nun schon eine erfahrene Reisende und auch Fiona zeigte sich erstaunlich gelassen. Ein einziges Mal hielten wir an, damit die Hunde sich erleichtern konnten und trafen dabei auch noch ausgerechnet den Osterhasen – zum Glück hielt ich Finchens Leine gaaaanz fest. Sie war derart außer sich über die Begegnung mit dem Langohr, dass an Pippimachen natürlich nicht mehr zu denken war. Meine Bemühungen, ihr klar zu machen, dass es den Osterhasen gar nicht gebe, verhallten ungehört. Die Weiterfahrt war angenehm und auch die kurze Überfahrt mit der Fähre verlief ruhig. Das Meer war spiegelglatt, was mich außerordentlich freute, denn ich bin alles andere als seefest. Schnell war alles aus dem Auto wieder aus und ins Ferienhaus eingepackt – jetzt hatten wir Urlaub!



Wanda kannte sich bestens aus, war sie doch schon zwei Mal mit uns dort gewesen. Die schmale, offene Wendeltreppe schaffte sie auch noch, wenn sie auch vor 5 Jahren leichtfüßiger gefolgt war. Dort oben war einfach das hellere und größere Schlafzimmer. Unten war nur ein kleines und muffig dunkles Räumchen, so war ich froh, dass die Graue es schaffte uns zu folgen. Fiona, der Schrecken der Flüsse, Berge und Steilhänge, ausgerechnet die schaffte es nicht. Damit hatte ich nicht gerechnet. An der untersten Stufe stand sie jammernd und klagend, aber nun war bereits alles eingeräumt, die Betten bezogen, sie würde sich eben arrangieren müssen. Sie schaffte es die gesamte Woche nicht, ihre Angst zu überwinden, obwohl wir alle mehrmals einfach vor ihr her die Treppen rauf und wieder herunter liefen.



Mein Geburtstag war richtig schön. Ich hatte noch einige Geschenke mitgenommen, die ich nun auspacken konnte, durfte das Musikprogramm bestimmen, mein Gitarre spielender Superkoch bereitete Lachs und dazu ließen wir uns den Champagner schmecken. Die folgenden Tage waren erholsam und verliefen gleichförmig, so dass dazu nicht viel zu schreiben ist. Hätten wir Fiona nicht dabei gehabt, wir wären bestimmt ab und an am Strand beim Spaziergang eingeschlafen. Wanda schlurfte dicht hinter unseren Kniekehlen her und bis auf ein paar Hüpfanfälle (es galt, eine Plastikplane und ein mit Seetang angefülltes Fischernetz in die Luft zu werfen) von sehr kurzer Dauer und mittlere Intensität, bewegte sie sich auch nicht aus dieser Spur. Einen dieser schottischen Hoppingdances bezahlte sie auch prompt wieder mit Rückenschmerzen. Zum Glück hatte ich ja für die Hunde ein schieres Arsenal von Medikamenten dabei. Mit ein wenig Übung, heißem Wasser und einem Handtuch hätte ich bestimmt sogar operieren können. Wanda bekam also ein Schmerzmittel und es ging ihr auch am nächsten Morgen direkt wieder besser.



Fiona hingegen glaubte wohl ihren Augen nicht zu trauen, als sie zum ersten Mal das Meer sah. Wie angewurzelt blieb sie stehen, schnüffelte aufgeregt in die Luft und raste dann los. Natürlich wich sie anfangs, entsetzt über das wilder Wasser, das ihr nachstellte, immer wieder zurück.



Doch nach einigen Tagen war sie immer mutiger, stellte sich dem Meer in den Weg, lief daran entlang und dann – bei Flut – schwamm sie gar darin. Das geschah natürlich nicht freiwillig. Fiona ist eine Jägerin, wie es sie in der Deerhoundwelt wohl kaum eine zweite gibt. So waren alle Möwen und Strandläufer – neben anderen Dingen, dazu komme ich später – fester Bestandteil ihres Beuteschemas. Nun saßen an besagtem Badetag einige Möwen sinnierend auf einer Sandbank. Der gemeine Deerhound kennt diese Bänke nicht, und auch die Tatsache, dass vor den Bänken bei Flut eben das Wasser erstaunlich tief sein kann, auch wenn man auf der Sandbank stehen kann, wird nicht in die Berechnungen einbezogen, wenn man kühn Anlauf nimmt, um mit einem paar Sätzen bei den dösenden Möwen zu sein und sich eine davon zu schnappen. Nach den ersten zwei Sätzen folgt ein dritter und letzter Satz. Dann war Fiona verschwunden, um dann wild paddelnd wieder aufzutauchen. In Gedanken entledigte ich mich meiner Gummistiefel und Kleidung, um das graue dünne Tier zu retten. Doch dies entpuppte sich als ausgezeichneter Schwimmer. Sie paddelte zwar etwas hektisch, und nicht wirklich elegant, aber sie kam immerhin nach einiger Zeit in die richtige Richtung geschwommen und stand triefend und prustend neben uns. Nicht, dass sie lange beeindruckt gewesen wäre von diesem Erlebnis.



Die Jagd muss weitergehen, so scheint ein Motto dieses spitzmausgesichtigen grauen Hundes zu lauten. Dies zeigte sie an einem anderen Morgen, es war menschenleer, also auch für uns sehr entspannt. Auch Jogger gehören zu den sich schnell bewegenden Objekten, denen Finchen nicht widerstehen kann. Sie berührte sie nicht, nein, sie raste hinter ihnen her (2 Mal geschehen, dann war natürlich die Leine dran, sobald ich einen der Renner sichtete), bis sie mit ihnen gleichauf war und drehte dann ab um mit erstaunlicher Geschwindigkeit wieder zu uns zurückzukehren.



An besagtem ruhigen Morgen also, war weit und breit niemand zu sehen. Hinter uns pfiff der Wind, das Meer brauste … Ab und an schaute ich mich um, um dann wieder aufs Meer zu blicken oder Muscheln zu suchen. Plötzlich überholte uns ein gelber Jeep, der etwa 50 Meter neben uns auftauchte und mit etwa 60 km/h am Strand entlang fuhr. Das allein hätte mich schon erschreckt, aber was lief denn da bloß hinter dem Wagen her? Ja, ein schnelles graues Tier, meinem Windhund Fiona sehr ähnlich, versuchte den Wagen der Strandpatrouille zu erhaschen. Mein Blick suchte die beiden Grauen, die soeben noch hinter mir gewesen waren – ein graues Tier fehlte … Zum Glück kam Fiona dann doch wieder zurück, unverletzt und kaum außer Atem.



In solchen Momenten ereignet sich in meinem Innern ein Feuerwerk der Gefühle. Zuerst ein Schreck, dann eine Art Glücksgefühl ob der wunderbaren Geschwindigkeit und der Eleganz meines Jägers, dann die Wut über eine derartige Dreistigkeit und dann die Erleichterung, wenn mein Hund dann unverletzt wieder bei mir ist. Den Versuch übrigens, mit Fiona durch die Dünen zu wandern, gaben wir nach einigen Metern mit einem auf zwei Beinen Hund wieder auf. Osterhasen wohin die Nase schnüffelte. Daheim konnten dann Kaninchen, Fasane und Rehlein, die sich im Nachbargarten sammelten, am Zaun entlang gejagt werden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass Zaunhopping nicht zu Fionas Fähigkeiten gehört, mir reichen ihre anderen vollkommen.



Entspannte, von großartiger Faulheit geprägte Tage und Abende am Kamin – ab und an mit Gitarrenmusik –



sorgten für die Erholung von derartigen Aufregungen. Die letzten drei Tage verbrachte auch ich dann ab und an am Herd, um für die Hunde Mengen an Rinderhack zuzubereiten. Das war das einzige Fressbare, was ich in Fiona hineinbekam, denn seit Januar mäkelt sie ja nun schon wieder. Mal ist es Käse, dann Lachs, Leberwurstbrot, Hähnchenbrustfilet (das teure, getrocknete, 500 g 10 Euro) und nun eben mal Rinderhack. Ich hoffe, dass Fiona irgendwann auch etwas ruhiger wird, nicht nur wegen der Jagerei. Bei Wanda war das mit 3 Jahren der Fall, aber sie war auch nie derart jagdbegeistert, immer hungrig und viel leichter zu lenken.



Wir haben den Urlaub sehr genossen und freuen uns schon auf den nächsten Ausflug, doch bis dahin wissen wir vor allem eins zu schätzen – unsere Matratzen – ab einem gewissen Alter nimmt der Körper aber auch alles so was von übel … egal ob man Mensch oder Hund ist!