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19.09.2009

Wir bekommen immer so schöne Post von Fiona, unserer kleinen Deerhoundhündin, nun schreibt ihr Frauchen Sabine über ihre Erlebnisse der letzten Nacht;-)

"In Köln gibt es ein Grundgesetz – darin heißt es zum Beispiel: „Et kütt wie et kütt.“ Das stimmt. Aber warum kütt et denn immer dann, wenn ich hier allein Zuhaus bin??? Das hat bestimmt mit Murphy oder schlechtem Karma zu tun.

Seit Donnerstag weilt GöGa in München und kehrt heute Mittag heim. Schon oft, wenn ich allein war, geschahen seltsame Dinge, einige von euch erinnern sich an Alarmanlagen mit Fehlalarm, Stromausfälle, überflutete Keller … es war nie langeilig und ich hatte schon den Verdacht, dass Johannes das alles inszeniert hatte, damit ich beschäftigt war.

Gestern Abend wollte ich früh schlafen gehen. Ich schaute im Fernsehen eine Schmonzette, dazu ein Glas Rotwein und noch eine warme Milch vor dem Schlafengehen. Meine unwilligen schottischen Damen wollten gar nicht mit raus zur letzten Entleerung vor dem Zubettgehen. Ich lockte sie mit Käse, den sie auch gern nahmen, um dann schnurstracks wieder umzudrehen und auf die Couch zu springen. Ich stand also allein in unserem dunklen Garten und da ich 1. ein Weichei bin, das Angst im Dunkeln hat, 2. auch noch allein daheim war und 3. dank der Dorfkirmes im Ort alle feiern waren und die Nachbarn im Urlaub, lief ich den vierbeinigen Damen hinterher und zog mich ins Schlafzimmer zurück. Die Alarmanlage schaltete ich vorsichtshalber ein, einen Fehlalarm würde es doch nicht geben, oder? Nein, das wäre zu billig vom Schicksal, oder wer auch immer für solche Dinge zuständig ist. Es gab auch keinen Fehlalarm, es war noch viel besser gestern Nacht. Nachdem ich, trotz wummernder Bässe aus dem Festzelt, endlich eingeschlafen war, erwachte ich mitten in der Nacht von einem Geräusch. Ich ordnete es im Halbschlaf der in den Briefkasten fallenden Zeitung zu. Doch beim Blick auf die Uhr war ich irritiert. Die Zeitungszustellerin würde doch kaum um ein Uhr in der Nacht die Zeitung einwerfen? Ich stand entschlossen auf und ging zum Fenster. Gegenüber bei unseren Nachbarn, die ja im Urlaub sind, machte sich eine Gestalt an deren Haustür zu schaffen. Gerade noch in den schönsten Träumen und schwups ist man ein einem Kriminalfall der einzige Zeuge, dachte ich und überlegte, was zu tun sei. Auf meine lauten Geräusche reagierte die Gestalt nicht. Vielleicht war es ein tauber Einbrecher? Er schien auch ungeschickt oder sehbehindert zu sein, denn er kehrte immer wieder auf dem Absatz um, als habe er etwas vergessen und versuchte es dann erneut an der Tür. Ein Einbrecher mit Alzheimer, der zugleich schwerhörig war? In meinem Hirn begann es zu rattern. Was würde Sherlock Holmes folgern und wie hätte Miss Marple nun gehandelt? Ich griff zu meiner Taschenlampe und warf mir den Bademantel um, zögerte aber dann. Schließlich war ich nicht Miss Marple und so ging ich erneut zum Fenster. Von meinen Hunden war keinerlei Hilfe zu erwarten, die schnarchten selig vor sich hin. Wenn der mutmaßliche Einbrecher ein Hirsch gewesen wäre, dann hätten sie ihn gestellt und verbellt. Aber so … Plötzlich schien der Unbekannte eine neue Idee zu haben, wie er in das haus kommen könnte, er legte sich auf den Treppenabsatz – wollte er einen neuen Trick ausprobieren? So langsam dämmerte mir etwas. Das war kein Einbrecher, das war ein sturzbetrunkener Festzeltbesucher, der sich in der Tür geirrt hatte. Was aber auch nicht besser war, denn nun trug ich quasi auch noch die Verantwortung dafür, dass der Mensch dort nicht erfror oder seinem Rausch erlag. Schon ging das Außenlicht bei den Nachbarn – mit Bewegungsmelder – aus und ich sah nichts mehr. Jetzt reichte es mir aber. Ich wählte 110 und schilderte kurz die Lage. 5 Minuten später war die Polizei vor unserem Haus. Alle Achtung, das fand ich schnell. Die drei freundlichen Helfer ließen sich den Schlafenden zeigen, bekamen ihn aber zuerst nicht wach. Zu dritt dann halfen sie ihm auf – ein Jugendlicher ohne Schuhe und ohne jegliches Erinnerungsvermögen – black out – er wusste nicht, wo er wohnte oder wie er hieß. Die Beamten bedankten sich bei mir und verschwanden gemeinsam mit dem torkelnden Etwas in ihrer Mitte. Sie redeten auf ihn ein, suchten wohl noch seine Schuhe, ich blieb noch einen Moment stehen, bis sie um die Ecke verschunden waren, dann ging ich ins Haus. Ich nahm ein Glas Milch mit ins Schlafzimmer und las noch einen Moment in einem Buch über das Sammeln von Wildkräutern. Nichts Aufregendes eben und außerdem sind Kräuter doch so gesund. Es dauerte trotz langweiliger Lektüre noch lange, eh ich einschlafen konnte, alles Brennessel- und Basilikumblätterzählen half nichts. Gegen 2 Uhr kamen dann die letzten Festgäste lautstark aus dem Zelt geschwankt und sangen lustige Lieder. Ich habe heute zwar keinen dicken Kopf wie die meisten hier im Ort, aber dafür bin ich unglaublich schlapp und müde.

Fazit: Et kütt wie et kütt – et kütt immer dann, wenn ich allein daheim bin - und - auch ohne Alkoholgenuss kann man am Morgen danach blass aussehen."